Renault hält EU-Ziel für 100% Elektroautos bis 2035 für unrealistisch

François Provost, der neue Generaldirektor des Renault Group, hält das europäische Ziel von 100 % emissionsfreien Neuwagenverkäufen bis 2035 in seiner jetzigen Form für unrealistisch. In einem Interview mit der deutschen Zeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung fordert er mehr Flexibilität bei den 2030-Meilensteinen und verteidigt Plug-in-Hybride als unverzichtbare Übergangstechnologie angesichts der chinesischen Konkurrenz.
"Das Ziel von 100 % emissionsfreien Verkäufen im Jahr 2035 ist in seinem jetzigen Zustand nicht möglich" — François Provost, Generaldirektor Renault Group
Ein Chef, der mit dem Brüsseler Diskurs bricht
François Provost nimmt kein Blatt vor den Mund. Seit kurzem an der Spitze der Renault Group, bricht er den europäischen Konsens über die Elektrowende. Seiner Ansicht nach hat sich die Europäische Union auf einen Kurs eingelassen, den er als unrealistisch bezeichnet, insbesondere das für 2035 geplante Verkaufsverbot für Verbrennerfahrzeuge.
Diese Positionierung steht im Gegensatz zur offiziellen Linie der europäischen Hersteller, die sich in der Regel an die Richtlinien aus Brüssel halten. Provost ist der Meinung, dass die derzeitigen industriellen und wirtschaftlichen Zwänge diesen Zeitplan unhaltbar machen.
Der französische Chef betont die Notwendigkeit für die Europäische Kommission, "flexibler" zu sein. Eine einfache Verlängerung bis 2032 reicht ihm zufolge nicht aus. Die Struktur der Regeln selbst muss überarbeitet werden.
Die 2030-Meilensteile im Visier
Die Emissionsgrenzwerte für 2030 sind der zentrale Konfliktherd. Diese Regeln verlangen eine drastische Reduzierung der durchschnittlichen Flottenemissionen, was de facto etwa 50 % Elektro-Neuzulassungen bereits 2030 erfordert.
Provost hält dieses Niveau für unvereinbar mit der Realität des europäischen Marktes. Die Ladeinfrastruktur ist in vielen Ländern nach wie vor unzureichend, während die Kaufkraft der Verbraucher mit der Preisentwicklung kaum Schritt halten kann.
Diese Position spiegelt die Schwierigkeiten wider, mit denen die gesamte europäische Automobilbranche konfrontiert ist. Die Verkäufe von Elektroautos stagnieren 2025 und liegen weit hinter den von den europäischen Behörden gesetzten Zielen zurück.
Die Verteidigung der Plug-in-Hybride
Angesichts der Kritik an der Plug-in-Hybridtechnologie [/article/le-kia-niro-hybride-rechargeable-est-mort] kontert der Renault-Chef. Er hält PHEV für eine "unverzichtbare" Übergangstechnologie, um den Aufschwung der Elektromobilität zu begleiten.
Diese Sichtweise steht im Gegensatz zur Position einiger Hersteller, die diese Technologie schrittweise aufgeben. Provost sieht darin im Gegenteil ein Mittel, um den Erwartungen von Verbrauchern gerecht zu werden, die dem reinen Elektroantrieb noch skeptisch gegenüberstehen.
Plug-in-Hybride ermöglichen seiner Meinung nach, ein zugängliches Angebot aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die Emissionen zu reduzieren. Ein notwendiger Kompromiss angesichts der Offensive chinesischer Hersteller, die den europäischen Markt bereits mit wettbewerbsfähigen Modellen überschwemmen.
Welche Strategie gegen China?
Der Schatten des chinesischen Wettbewerbs schwebt über dieser ganzen Überlegung. NIO feierte übrigens im Januar 2026 die Produktion seines millionsten Fahrzeugs und markierte damit den rasanten Aufstieg chinesischer Marken.
Provost setzt auf eine neue Generation erschwinglicher kleiner Elektrofahrzeuge, um dieser Offensive zu begegnen. Die zukünftigen elektrischen R5, R4 und Twingo verkörpern diese Strategie zur Rückeroberung des Massenmarktes.
Der französische Hersteller will verhindern, dass die europäische Industrie angesichts der aggressiven Preise chinesischer Marken den Anschluss verliert. BYD, NIO und Co. bieten bereits Elektrofahrzeuge zu Preisen an, die für Europäer kaum erreichbar sind.
Ein Appell zur Überarbeitung des Zeitplans
Der Generaldirektor wünscht sich eine grundlegende Überarbeitung des europäischen Zeitplans. Seiner Meinung nach kann der Wandel nur gelingen, wenn die wirtschaftlichen, technologischen und sozialen Realitäten jedes Marktes berücksichtigt werden.
Diese Forderung nach Flexibilität kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem mehrere europäische Hersteller Schwierigkeiten haben, ihre Elektroverkaufsziele zu erreichen. Die Produktionskosten [/article/la-porsche-electrique-718-boxster-et-cayman-pourraient-etre-abandonnes-selon-un-rapport-sur-la-strat] bleiben hoch und beeinträchtigen die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber asiatischen Rivalen.
Die Renault Group ist nicht der einzige Konzern, der Zweifel äußert. Andere europäische Hersteller beginnen, den von Brüssel vorgegebenen Zeitplan in Frage zu stellen, auch wenn sie dies diskreter tun als François Provost.
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Geschrieben von
Jules DuboisSpezialist électrique, hybride, batterie, recharge, autonomie, technologies, electrique, nouveaute
Journaliste automobile passionné par la mobilité électrique et les nouvelles technologies. Après 10 ans dans la presse spécialisée, Jules décrypte ...
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