Honda stoppt Elektro-Offensive: Serie 0 und e:Ny1 fallen weg

Honda verkauft im Vereinigten Königreich keine Elektroautos mehr. Die japanische Marke hat den e:Ny1 aus ihrem britischen Katalog genommen und die gesamte Serie 0 – zwei SUVs und eine Limousine – gestrichen, nur wenige Monate vor dem geplanten Produktionsstart in den USA. Die im April 2026 verkündete Entscheidung führt allein im laufenden Geschäftsjahr zu einer Wertberichtigung von schätzungsweise 340 bis 570 Milliarden Yen (umgerechnet 1,6 bis 2,7 Milliarden Pfund Sterling).
"Honda determined that starting production and sales of these three models in the current business environment where the demand for EVs is declining significantly would likely result in further losses over the long term." — Honda, offizielle Mitteilung, April 2026

Eine Serie 0, die es kommerziell nie gegeben hat
Die Serie 0 sollte die elektrische Wiedergeburt von Honda verkörpern. Zwei mit großem Tamtam präsentierte Modelle – eine 2024 als Konzept gezeigte Limousine, ein SUV im Jahr darauf – auf einer komplett neuen, von Grund auf entwickelten Plattform. Sieben Fahrzeuge bis 2030 geplant. Die Art von Ankündigung, die auf Automessen gute Presse macht und Investoren beruhigt.
Nur hat Honda die Tafel nun einfach abgewischt. Die Limousine, der SUV und die für den amerikanischen Markt vorgesehene Acura-RSX-Version sind gestrichen, bevor sie auch nur ein Fließband gesehen haben. Die Entwicklungskosten werden als Verlust verbucht. Die Marke räumt selbst ein, sich in einer "äußerst schwierigen finanziellen Lage" zu befinden.
Warum Honda jetzt zurückrudert
Honda führt drei Faktoren für diese Kehrtwende an. Erstens die USA: Die Trump-Administration hat die von der Biden-Regierung eingeführten Steueranreize für Kauf und Produktion von Elektrofahrzeugen abgeschafft. Honda, das einen Teil seiner EV-Strategie auf den US-Markt ausgerichtet hatte, spricht von einem direkten "negativen Einfluss" auf sein Geschäft.
Zweitens Asien. Die Marke gibt eine "nachlassende Wettbewerbsfähigkeit" ihrer Produkte gegenüber chinesischen Herstellern zu, die ihr Softwareangebot in wenigen Monaten anpassen können, wo Honda noch in Entwicklungszyklen von mehreren Jahren denkt. "Die Erwartungen der Verbraucher verschieben sich von Hardware-Eigenschaften hin zu Software-Funktionen, die sich kontinuierlich weiterentwickeln", räumt Honda ein – was eine höfliche Umschreibung dafür ist, dass seine vernetzten Autos gegenüber BYD oder NIO einen strukturellen Rückstand haben.
Drittens haben Zolltarife die Rentabilität der Verbrenner- und Hybridmodelle geschmälert, jener Fahrzeuge also, die bisher die Investitionen in die Elektromobilität finanzierten.
Was bedeutet das für europäische Käufer?
Konkret: Honda hat im Vereinigten Königreich derzeit kein einziges Elektroauto im Angebot. Der e:Ny1, der kompakte SUV, der bisher das einzige verfügbare Elektromodell auf dem britischen Markt war, wurde aus dem Verkauf genommen. Besucht man die Honda-UK-Website, findet man keine Rubrik "Elektro".
Wie umgeht Honda das ZEV-Mandat?
Das ist die unbequeme Frage. Im Vereinigten Königreich schreibt das Gesetz den Herstellern für 2026 eine Quote von 33 % Elektroverkäufen vor. Honda, ohne ein einziges EV im Katalog, wäre theoretisch erheblichen Strafen ausgesetzt. Laut Autocar muss die Marke einen Weg zur Einhaltung finden – etwa durch Kreditmechanismen zwischen Herstellern oder andere regulatorische Anpassungen –, doch die Details dieser Umgehungsstrategie sind noch nicht öffentlich.
Es ist die Art von unangenehmer Situation, die Honda in seinen Fünfjahresplanungsszenarien wohl nicht einkalkuliert hatte. Ohne ein EV auf einem Markt dazustehen, auf dem die Regulierung ein Drittel der Verkäufe vorschreibt, ist kein Positionierung, sondern eine Sackgasse.
Eine umfassende Restrukturierung steht bevor
Honda spricht von einer "Neuordnung seiner Aktivitäten auf Schlüssel- und Wachstumsmärkten", um "seine Wettbewerbsstärke wiederherzustellen". Übersetzung: Kürzungen, Umschichtungen und wahrscheinlich eine Revision seiner kurz- bis mittelfristigen Volumenziele. Die Marke warnt ausdrücklich, dass auch das Geschäftsjahr 2026-2027 die finanziellen Auswirkungen dieser Absagen zu spüren bekommen wird.
Nach unseren Informationen wird der europäische Markt einen direkten Ersatz für die Serie 0 voraussichtlich mehrere Jahre lang nicht sehen. Honda prüfe seine Optionen – einschließlich Partnerschaften oder geteilter Plattformen –, anstatt allein in eine kostspielige Neuentwicklung zu starten.
Der sichtbarste Rückschlag einer Industrie, die neu justiert
Geschrieben von
Sophie RenardSpezialist luxe, premium, sportive, sport auto, allemandes, reglementation, assurance, prix, ventes
Spécialiste du segment premium et luxe, Sophie couvre l'actualité des marques prestigieuses depuis 12 ans. Ancienne attachée de presse pour un cons...
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