Twaice: 24 Millionen Euro für revolutionäre Batterieanalyse

744 Wörter4 Min LesezeitVon Jules Dubois
Hauptfoto des Artikels : great wall Twaice: 24 Millionen Euro für revolutionäre Batterieanalyse
© © Electrive

Twaice, ein Münchner Startup, das sich auf prädiktive Batterieanalyse spezialisiert hat, hat gerade 24 Millionen Euro von der Europäischen Investitionsbank (EIB) erhalten. Das 2018 gegründete Unternehmen zählt bereits Audi und Mercedes-Benz zu seinen Kunden. Mit diesem langfristigen Darlehen, das durch das InvestEU-Programm abgesichert ist, setzt es nun auf den Markt für stationäre Energiespeichersysteme (BESS).

"As storage operators expand their fleets, they need operations that scale with them." — Dr. Stephan Rohr, Co-CEO von Twaice

great wall 2026

Was Twaice wirklich macht

Das Versprechen ist einfach zusammenzufassen: Wissen, bevor es kaputt geht, in welchem Zustand eine Batterie ist. Twaice hat sich einen Ruf mit Software für prädiktive Analysen aufgebaut, die die Degradation eines Akkus messen kann – also den allmählichen Verlust der Speicherkapazität – und seine verbleibende Lebensdauer vorhersagt. Dazu kombiniert das System Echtzeitdaten mit einem Nutzungsverlauf. Nichts Magisches: Es ist angewandte Statistik auf Zellchemieebene.

Diese Art von Werkzeug interessiert Autohersteller aus einem sehr konkreten Grund. Eine Batterie mit 60 bis 100 kWh kostet zwischen 8.000 und 15.000 Euro, um sie zu ersetzen. Wenn man einen Ausfall sechs Monate im Voraus vorhersagen, Ladestrategien anpassen oder die Batteriemanagementsoftware (BMS) modifizieren kann, sind die Einsparungen erheblich. Audi und Mercedes-Benz haben das verstanden, daher ihre Zusammenarbeit mit Twaice bereits in den ersten Jahren.

💡 Wussten Sie schon?
Twaice wurde 2018 gegründet, aber erst nachdem Audi und Mercedes-Benz als Kunden gewonnen wurden, hat das Unternehmen richtig Fahrt aufgenommen. Zwei Referenzen, die in dieser Branche mehr wert sind als alle Reden.

Warum die EIB 24 Millionen Euro bereitstellt

Die Europäische Investitionsbank verteilt ihr Geld nicht wahllos. Dieses Darlehen über 24 Millionen Euro, gesichert durch das InvestEU-Programm, entspricht einer klaren Ausrichtung: Europa will eine lokale Energiespeicherbranche aufbauen, die weniger von asiatischen Zelllieferanten abhängig ist.

Twaice stellt keine Batterien her. Es ist ein Softwareentwickler für Analysen. Diese Positionierung macht die Investition strategisch: Die in Europa entwickelten Daten und Algorithmen können jede Art von Chemie begleiten – LFP, NMC, Natrium-Ion – ohne an einen bestimmten Zelllieferanten gebunden zu sein.

💡 Schlüsselzahl
Der weltweite Markt für stationäre Batteriespeichersysteme (BESS) soll laut BloombergNEF bis 2030 jährlich über 400 GWh installierte Kapazität überschreiten. Ein Spielfeld, das deutlich größer ist als die Automobilbranche allein.

Vom Elektrofahrzeug zum stationären Speicher: Die strategische Wende

Hier wird der Fall interessant. Twaice will nicht einfach im Automobilsektor wachsen. Das Unternehmen schwenkt auf BESS um – diese großen Speichersysteme, die hinter Photovoltaikanlagen, vorgelagert zu Schnellladestationen oder in Industrieanlagen installiert werden, um Lastspitzen zu glätten.

Die Mechanik ist dieselbe wie bei Autobatterien, aber die finanziellen Implikationen sind anders. Ein industrielles BESS-System kann eine Investition von mehreren Millionen Euro darstellen. Zu wissen, ob es 10 oder 15 Jahre hält, vorherzusagen, wann seine Kapazität unter 80% fällt – die übliche Schwelle für das Ende der Nutzungsdauer – verändert direkt die Rentabilität eines Projekts.

great wall 2026

"Die langfristige Finanzierung durch die EIB hilft uns, das Wachstum, das wir bereits sehen, weiter zu beschleunigen", sagt Stephan Rohr. Übersetzung: Der Auftragsbestand ist bereits da. Diese Finanzierung dient dazu, das Tempo zu halten, nicht um einen ersten Kunden zu suchen.

Konkret: Welche Anwendungsfälle für BESS?

Die stationären Speichersysteme, die Twaice anvisiert, decken mehrere Märkte ab. Zunächst die Speicherung in Verbindung mit Photovoltaik: Der mittags erzeugte Strom wird für den abendlichen Verbrauch gespeichert. Dann der Puffer für Schnellladestationen: Eine Station mit 150 bis 350 kW zieht enormen Strom aus dem Netz. Mit einem intelligent gesteuerten Batteriepuffer vermeidet man Lastspitzen und Strafzahlungen für Überschreitung der bezogenen Leistung. Schließlich das industrielle Peak Shaving, das derselben Logik folgt.

In all diesen Fällen sind Lebensdauer und Zuverlässigkeit des Akkus direkt mit der Rentabilität des Projekts verbunden. Eine prädiktive Analyse, die eine driftende Zelle erkennt, bevor sie das gesamte Modul zum Ausfall bringt – das bedeutet gewonnene Betriebszeit und reduzierte Wartungskosten.

Warum diese Finanzierungsrunde über Twaice hinausgeht

Diese Finanzierung sagt etwas über den Marktzustand aus. Autohersteller haben begonnen, Batterieanalysetools zu integrieren, aber das BESS-Segment ist noch weitgehend unterversorgt mit anspruchsvoller Monitoring-Software. Die meisten Betreiber von Speicherparks verwalten ihre Batterien noch mit einfachen Werkzeugen, weit entfernt von dem, was prädiktive Modelle ermöglichen.

Der Einstieg der EIB in diese Art von Projekt signalisiert auch, dass Europa die Kontrolle über Batteriedaten als strategische Frage betrachtet. Und dass die Bank bereit ist, Technologieunternehmen zu finanzieren, die keine Hardware herstellen – ein Novum, das man im Auge behalten sollte.

Geschrieben von

Jules Dubois

Spezialist électrique, hybride, batterie, recharge, autonomie, technologies, electrique, nouveaute

Journaliste automobile passionné par la mobilité électrique et les nouvelles technologies. Après 10 ans dans la presse spécialisée, Jules décrypte ...

Alle Artikel anzeigen (12)

Weiterlesen

Kommentare

💬
Kommentare werden geladen...

Kommentar hinterlassen

0/1000

Ihre E-Mail wird nicht öffentlich angezeigt. Mit der Übermittlung dieses Kommentars stimmen Sie unserer Datenschutzrichtlinie.