Stellantis bringt Diesel BlueHDi zurück – Elektro-Strategie gerät an Grenzen

758 Wörter4 Min LesezeitVon Jules Dubois
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Seit Dezember 2024 führt Stellantis den Dieselmotor BlueHDi 100 bei rund 15 Modellen in Europa wieder ein – darunter den Peugeot Rifter, den Opel Combo und den Citroën Berlingo – nachdem der Konzern zwischen 2022 und 2024 fast vollständig auf Elektro gesetzt hatte. Das Unternehmen verbucht 22 Milliarden Euro an Sonderbelastungen aufgrund dieser gescheiterten Wende und nimmt unter der Führung von Antonio Filosa, der Ende 2024 Carlos Tavares ablöste, eine strategische Neuausrichtung vor.

„In einigen Fällen erweitern wir sogar unser Diesel-Angebot“ — Stellantis-Sprecher, zitiert von Journalauto.com

stellantis 2026

Eine Kehrtwende, die man nicht beim Namen nennt

Zwischen 2022 und 2024 hatte Stellantis nach und nach die Dieselvarianten aus seinen Katalogen gestrichen. Die Logistik schien unausweichlich: Der Volkswagen-Skandal von 2015 hatte das Image des Selbstzünders beschädigt, die Euro-Normen wurden strenger und die Elektromobilität schien kurz davor, alles zu überrollen. Nur dass der Markt dem vorgesehenen Zeitplan nicht folgte.

Laut ACEA liegt der Dieselanteil an den Neuzulassungen in Europa im Jahr 2025 bei 7,7 %. Das ist wenig, sehr wenig. Aber die Elektromobilität, die massenhaft die Nachfolge antreten sollte, stagniert bei 19,5 %. Weit entfernt von den Prognosen, die das radikale Abschaffen des Diesels rechtfertigten. In diesem Zusammenhang hat die Europäische Kommission auch die Bedingungen für das für 2035 geplante Verbot von Verbrennungsmotoren gelockert, was Spielräume eröffnet, die Stellantis nun eifrig nutzt.

💡 Schlüsselzahl
Im Jahr 2025 macht Diesel nur noch 7,7 % der Neuzulassungen in Europa aus, während es bei Elektroautos 19,5 % sind – ein Niveau, das weit unter den ursprünglichen Prognosen liegt, die die meisten Hersteller zum schrittweisen Ausstieg aus dem Diesel bewogen hatten.

Die Entscheidung, den BlueHDi 100 wieder einzuführen, ist also keine nostalgische Laune. Es ist eine Reaktion auf eine Nachfrage, die nicht verschwunden ist, insbesondere bei Gewerbekunden und Vielfahrern, die zuerst auf die Gesamtbetriebskosten schauen.

Welche Modelle sind betroffen?

Die Liste ist lang. Im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge und Mehrzweckfahrzeuge kehrt der Diesel zurück beim Citroën Berlingo, Peugeot Rifter, Opel Combo, Fiat Professional Qubo L, Citroën SpaceTourer, Peugeot Traveller, Opel Vivaro und Fiat Professional Ulysse. Es sind genau die Fahrzeuge, bei denen Elektro am schwersten zu überzeugen hat: Handwerker, Lieferanten und kinderreiche Familien wollen sorgenfreie Reichweite und nicht unbedingt eine heimische Ladestation.

Auch die Kompaktklasse bleibt nicht außen vor. Der Peugeot 308, der Opel Astra und die DS N°4 bekommen ebenfalls wieder Dieselversionen ins Programm. Der Konzern bestätigt zudem, den Diesel beim DS 7, Alfa Romeo Tonale, der Giulia und dem Stelvio beizubehalten.

📋 Fiche technique

BlueHDi 100 — Wiedereingeführte Motorisierung

22 Milliarden Euro: Der Preis der gescheiterten Wende

Die Zahlen sind schmerzhaft. Stellantis hat 22 Milliarden Euro an Sonderbelastungen im Zusammenhang mit seiner strategischen Neuausrichtung auf Elektro bekannt gegeben, was zu einem Kurssturz der Aktie um 25 % führte. Das ist kein buchhalterisches Detail – es ist das Eingeständnis, dass die All-in-Strategie auf Elektro falsch kalibriert war, zu schnell, zu starr gegenüber einem Markt, der nicht mitzog.

💡 Wussten Sie schon?
Der Kurssturz der Stellantis-Aktie um 25 % folgte auf die Ankündigung der 22 Milliarden Euro an Sonderbelastungen im Zusammenhang mit der strategischen Neuausrichtung des Konzerns. Carlos Tavares, der ehemalige CEO, der für diese aggressive Elektrostrategie verantwortlich war, hatte Ende 2024 seinen Posten verlassen.

Der Konzern verleugnet die Elektromobilität damit jedoch nicht. Ein Sprecher stellte klar, dass Stellantis „weiterhin voll und ganz dem Weg der Elektrifizierung verpflichtet“ sei und immer noch die Markteinführung von rund dreißig neuen Elektro- oder Hybridmodellen zwischen 2025 und 2026 plane. Doch die gleichzeitige Ankündigung der Rückkehr des Diesels bei fünfzehn Modellen spricht Bände über den Realismus, der die Ideologie abgelöst hat.

Sollte man 2026 noch einen Diesel kaufen?
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Sollte man 2026 noch einen Diesel kaufen?

Das ist die eigentliche Frage, die sich Käufer stellen. Auf dem Papier hat der Diesel starke Argumente: niedriger Verbrauch, große Reichweite, günstiger Dieselpreis, flächendeckendes Tankstellennetz. In der realen Welt bleiben diese Vorteile für alle, die mehr als 20.000 km pro Jahr fahren oder auf dem Land ohne einfachen Zugang zu einer Ladestation leben, sehr konkret.

Der BlueHDi 100 mit seiner bescheidenen Leistung, aber seinem hohen Drehmoment (typisch für Diesel) ist für gewerbliche und familiäre Einsätze gemacht, bei denen man lädt, zieht und weit fährt.

Geschrieben von

Jules Dubois

Spezialist électrique, hybride, batterie, recharge, autonomie, technologies, electrique, nouveaute

Journaliste automobile passionné par la mobilité électrique et les nouvelles technologies. Après 10 ans dans la presse spécialisée, Jules décrypte ...

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